
Der Name Kairosoft ist auf Steam und in diversen App-Stores vielen ein Begriff. Für Konsolenspieler war das japanische Studio, das sich auf charmante Retro-Pixelart-Simulationen spezialisiert hat, lange Zeit hingegen eher ein Geheimtipp. Mit Game Dev Story machte man sich einen Namen, der große Durchbruch auf der ganz großen Bühne blieb bislang aber aus. Das möchte Kairosoft nun gemeinsam mit dem namhaften Publisher Bandai Namco Entertainment ändern. ONE PIECE: Grand Gourmet schickt die Strohhutbande nicht auf die Jagd nach dem One Piece, sondern in die Gastronomie. Ob das Piraten-Epos auch am Herd überzeugt oder auf der Grand Line Schiffbruch erleidet, verraten wir euch in unserem Review.
Ein falsches Baratié auf der Grand Line
Ein betrügerisches Pack zieht mit einem dubiosen Nachbau des legendären Restaurants Baratié durch die Meere. Das „falsche Baratié“ serviert ungenießbares, völlig überteuertes Essen und macht damit den hart erarbeiteten Ruf von Chefkoch Zeff und Sanji zunichte. Das können sich Ruffy und Sanji natürlich nicht gefallen lassen. Kurzerhand gründen die beiden das Baratié Nummer 2 – ein neues, mobiles Restaurantschiff, mit dem sie den Betrügern das Handwerk legen wollen.

Ihr schlüpft dabei nicht in die Rolle eines bekannten Piraten, sondern in die eines namenlosen Neulings, der gerade erst an Bord angeheuert hat. Gemeinsam mit Sanji und der Strohhutbande sollt ihr das anfangs winzige Lokal zum erfolgreichsten Restaurant der Weltmeere machen. Dafür reist ihr durch die bekannten Schauplätze der Geschichte und fordert das falsche Baratié in verschiedenen Regionen zu kulinarischen Duellen heraus. Um neue Gebiete freizuschalten, müsst ihr bestimmte Ziele erfüllen: etwa mehr Umsatz erzielen als die Konkurrenz oder genügend Gäste zu treuen Stammkunden machen. Ein klassischer Kairosoft-Konkurrenzkampf also – ihr kocht das Plagiat an die Wand und bringt den guten Namen des echten Baratié wieder auf Kurs. Wie heißt es so schön: Never change a running system!

Was Grand Gourmet dabei besonders macht, ist die spürbare Liebe zur großen Vorlage. Viele Figuren aus dem ONE PIECE-Universum sind mit von der Partie und werden in charmanter Pixeloptik dargestellt. Je nach Fortschritt eurer Reise verändert sich bei manchen Gästen sogar das Aussehen – passend zu den Entwicklungen im Anime und Manga. Zahlreiche Charaktere bekommen außerdem eigene Gerichte, die auf ihre Fähigkeiten oder ihre Persönlichkeit anspielen. Hinzu kommen kurze Szenen, die auf Deck oder im Restaurant aufploppen und witzige Begegnungen zeigen. Man merkt schnell: Hier steckt viel Herzblut drin und das Spiel fühlt sich tatsächlich wie ein Werk von Fans für Fans an.

Doch was passiert, wenn man die Fanbrille einmal absetzt? Dann zeigt sich, dass hinter der Piratenküche ein ziemlich komplexes Management-Spiel steckt.
Vom Imbiss zum Piratenrestaurant
Und eines vorweg: ONE PIECE: Grand Gourmet verlangt euch von der ersten Minute an einiges an Aufmerksamkeit ab. Aus einem mickrigen Imbiss ohne Gäste ein legendäres Piratenrestaurant zu machen, ist keine leichte Aufgabe. Besonders zu Beginn kann das Spiel komplex und überfordernd wirken. Ihr werdet von einem Menü ins nächste geführt, ohne immer genug Zeit zu bekommen, euch mit den gerade vorgestellten Mechaniken vertraut zu machen. Der Einstieg verläuft dadurch etwas holprig und könnte manche Spielerinnen und Spieler abschrecken. Wer dranbleibt, wird aber mit einem motivierenden Aufbau-Loop belohnt.

Zu Beginn besteht eure Crew im Grunde aus Sanji, der in der Küche steht, und Ruffy, der auf Erkundungstouren in die Städte und Gebiete der jeweiligen Handlungsabschnitte geschickt werden kann. Auf seinen Reisen trifft er neue Charaktere, die das Restaurant besuchen und Hinweise darauf geben, wo sich das nächste Mitglied der Strohhutbande aufhält. Damit ist euer erstes großes Ziel klar: die Crew vervollständigen und möglichst viele Gäste in euer Baratié Nummer 2 locken.

Natürlich muss das Restaurant auch mit Essen versorgt werden. Auf den Erkundungstouren sammelt ihr Zutaten und Rezepte, aus denen Sanji neue Gerichte zaubert. Anschließend stellt ihr Menüs aus Hauptgericht, Beilage, Dessert und Getränk zusammen und bringt sie an die Gäste. Mit der Zeit wird deutlich, wie eng die verschiedenen Systeme miteinander verzahnt sind: Erkundung liefert Zutaten und Rezepte, neue Figuren sorgen für mehr Kundschaft und ein gut ausgebautes Restaurant bringt wiederum Geld für weitere Verbesserungen ein.
Jeder Tisch bietet Platz für vier Charaktere. Haben Gäste einmal dort Platz genommen, belegen sie den Tisch dauerhaft. Ihr müsst also regelmäßig neue Sitzgelegenheiten anschaffen und euer Schiff vergrößern, um genügend Besucher unterzubringen. Glücklicherweise trefft ihr relativ früh auf Franky, der euch beim Ausbau unterstützt – allerdings nicht kostenlos.

Auch die Gestaltung des Restaurants spielt eine Rolle. Piraten sitzen lieber auf Piratenboden, während die Marine ihre Tische bevorzugt auf passendem Marineboden vorfindet. Umgebt ihr die Sitzplätze zusätzlich mit Dekorationen, die zur jeweiligen Region passen, steigt der Komfort und damit auch der Umsatz. Das klingt zunächst einfach, doch jeder neue Tisch, jede Erweiterung und jede zusätzliche Dekoration schlägt ordentlich zu Buche. Und damit kommen wir zum vielleicht wichtigsten Bestandteil des gesamten Systems: dem Ressourcenmanagement.
Jeder Berry zählt
Als Restaurantbesitzer müsst ihr für beinahe alles bezahlen. Erweiterungen, Sitzplätze, Dekorationen und neue Einrichtungen können die Kasse schnell leeren, sodass ihr mit den laufenden Kosten sogar ins Minus rutscht. In früheren Kairosoft-Spielen konnte das rasch das Ende bedeuten. Grand Gourmet zeigt sich hier zum Glück etwas großzügiger: Ein Mitglied der Strohhutbande hilft regelmäßig mit einem Notgroschen aus. Ihr müsst also nicht gleich das ganze Projekt aufgeben, wenn die Finanzen einmal knapp werden.

Doch Geld allein reicht nicht aus. Euer Ziel ist es, aus Gästen Fans zu machen, indem ihr ihre Wünsche erfüllt. Manche wünschen sich bestimmte Dekorationen oder Gerichte, andere möchten besondere Einrichtungen wie eine Bar, eine Manege oder sogar eine eigene Statue. Auch rivalisierende Piratenbanden können verlangen, dass ihr ihr Schiff gegen eine stattliche Gebühr bei euch anlegen lasst.

Warum sich der Aufwand lohnt? Gäste bleiben in ihrem jeweiligen Gebiet zurück, sobald ihr weitersegelt. Fans hingegen begleiten euch gewissermaßen auf der Reise und sorgen dafür, dass euer Umsatz stetig steigt. Das ist besonders wichtig, wenn die Kosten für den Ausbau zunehmen und ihr das falsche Baratié übertreffen wollt.
Zusätzlich zu Geld gibt es Münzen und Herzen, die ihr durch zufriedene Gäste oder Geschenke sammelt. Diese Ressourcen fließen ebenfalls in den Spielfortschritt ein und sorgen dafür, dass sich die verschiedenen Aufgaben sinnvoll ergänzen. Meist geht dieser Kreislauf angenehm von der Hand: Gäste bewirten, Wünsche erfüllen, Fans gewinnen, Geld investieren und das Restaurant weiter ausbauen.

Eine Ausnahme ist die Suche nach dem jeweils nächsten Mitglied der Strohhutbande. Hier kann es passieren, dass ein bestimmter Gast erst auftaucht, wenn ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllt habt. Wir sind dabei eine Weile festgesteckt, weil die nötigen Parameter etwas Grind erforderten. Lässt man sich aber auf den gesamten Spielkreislauf ein, entwickelt Grand Gourmet schnell seinen typischen Kairosoft-Sog. Ein weiterer Tag im Baratié, noch ein Rezept, noch ein Gast – und ehe man sich versieht, ist wieder eine ganze Spielsitzung vergangen.
Wertung
ONE PIECE: Grand Gourmet verbindet Kairosofts bewährte Restaurant-Simulation mit einer großen Portion Piratencharme. Die liebevolle Pixeloptik, die vielen bekannten Figuren und die kleinen Anspielungen auf deren Eigenheiten machen das Spiel für Fans der Vorlage besonders reizvoll. Der Aufbau des Baratié Nummer 2, das Sammeln von Zutaten, die Zusammenstellung der Menüs und das Erfüllen von Gästewünschen greifen zu einem motivierenden Gameplay-Loop ineinander. Allerdings ist der Einstieg unnötig überladen, und die Suche nach einzelnen Charakteren kann mitunter in Grind ausarten. Wer sich auf die vielen Menüs und Systeme einlässt, bekommt eine charmante Simulation, die den Geist von ONE PIECE überraschend gut einfängt.
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ONE PIECE: Grand Gourmet ist am 23.Oktober 2026 für Nintendo Switch, Nintendo Switch 2, iOS und Android erschienen
Wir bedanken uns bei Bandai Namco für die Bereitstellung eines Review-Keys.