
Während die Tales of-Reihe in Japan schon lange zu den JRPG-Urgesteinen zählt, mussten sich Fans in Europa bis 2006 gedulden, ehe Tales of Symphonia die Reihe einem breiteren Publikum näherbrachte. Frühere Teile wie Tales of Phantasia und Tales of Eternia blieben durch ihre Handheld-Portierungen eher Geheimtipps. Mit Tales of Eternia Remastered legt Bandai Namco nun einen seiner Klassiker erneut auf. Ob sich die Reise in die Vergangenheit lohnt, verraten wir euch in unserem Review.
Zwei Welten und ein drohender Zusammenstoß
Willkommen in Eternia, einer Welt, die in zwei voneinander getrennte Reiche geteilt ist: Inferia und Celestia. Im abgelegenen Dorf Rasheans begegnen Reid Hershel und seine Kindheitsfreundin Farah Oersted einem geheimnisvollen Mädchen namens Meredy. Auf der Suche nach ihrer Herkunft erfahren die beiden vom sogenannten „Großen Fall“: Inferia und Celestia drohen zusammenzustoßen – mit der Vernichtung beider Reiche als Folge. Gemeinsam mit dem Gelehrten und Kindheitsfreund Keele Zeibel machen sich Reid, Farah und Meredy auf, die Katastrophe abzuwenden. Dabei erhalten sie Unterstützung von den Großen Craymels, mächtigen Elementargeistern, die auch in anderen Tales-Spielen gern gesehene Gäste sind.

Eine klassische Heldenreise zur Rettung der Welt also, inklusive zweier konkurrierender Reiche und einer drohenden Katastrophe. Man könnte Tales of Eternia durchaus als Blaupause für Tales of Symphonia betrachten – nur fällt das Abenteuer etwas kleiner und überschaubarer aus. Trotzdem besitzt es eine eigene Identität und vor allem eine große Portion Herz und Charme. Denn obwohl die Gruppe im Wesentlichen aus vier Figuren besteht, trägt sie die Geschichte überzeugend auf ihren Schultern. Die Dialoge sind hervorragend geschrieben und auf Englisch sowie Japanisch vertont. Sie strotzen vor Humor, scheuen sich aber auch nicht vor ernsteren Themen. Besonders schön ist es zu beobachten, wie aus Fremden, die zunächst mit kulturellen Unterschieden und Vorurteilen zu kämpfen haben, nach und nach ein eingeschworenes Team wird. Die Handlung mag vertraut wirken – doch man möchte wissen, wohin diese Gruppe als Nächstes geführt wird.

Von Stadt zu Stadt und mitten ins Gefecht
Wie es sich für ein klassisches Tales-Abenteuer gehört, schickt euch das Spiel auf eine große Reise. Über die Weltkarte geht es von einem Ort zum nächsten, um die Geschichte voranzutreiben. Allerdings ist Eternia nach heutigen Maßstäben recht überschaubar. Städte und Dungeons sind hauptsächlich dort zu finden, wo sie für die Handlung gebraucht werden. Meist besucht ihr eine Stadt, kauft bessere und teurere Ausrüstung und zieht anschließend ins nächste Gebiet weiter. Auch die wenigen Nebenmissionen bieten nur begrenzt zusätzliche Inhalte. Oft sind sie mit Minispielen verbunden und belohnen euch mit neuen Titeln für eure Charaktere. Zur ursprünglichen Veröffentlichung mag das mehr als ausreichend gewesen sein; heute wirkt die Welt dadurch aber stellenweise etwas karg.

Deutlich stärker in Erinnerung bleibt das Kampfsystem – schließlich hat die Tales-Reihe damit ihre ganz eigene Handschrift entwickelt. Tales of Eternia nutzt eine Variante des Linear Motion Battle System, kurz LMBS. Dabei kämpft ihr in Echtzeit auf einer horizontalen Ebene, ähnlich wie in einem klassischen 2D-Prügelspiel. Ihr steuert eine Figur, greift an, blockt und setzt Spezialfähigkeiten ein, die in der Reihe Artes genannt werden. Bei Bedarf könnt ihr das Geschehen pausieren und im Menü Ausrüstung wechseln, anderen Gruppenmitgliedern Befehle erteilen oder Gegenstände einsetzen. Gerade Letzteres ist wichtig, denn Feindbegegnungen können ordentlich austeilen. Anders als in vielen modernen Rollenspielen seht ihr Gegner auf der Weltkarte nicht umherwandern: Zufallskämpfe gehören hier zum Alltag. Wer mit wenig Lebens- oder Technikpunkten in eine größere Gegnergruppe gerät, kann deshalb schnell in Bedrängnis kommen.

Auch Bosskämpfe sind nicht zu unterschätzen. Eine unterlevelte Gruppe kann hier rasch an ihre Grenzen stoßen. Wer nicht gut vorbereitet ist, kommt um zusätzliche Kämpfe und längeres Aufleveln kaum herum. Genau an diesem Punkt setzt die Remastered-Version mit ihren praktischen Neuerungen an.
Booster statt endloser Grind
Zur ursprünglichen Veröffentlichung gehörten lange Levelphasen einfach dazu. Unter heutigen Maßstäben kann stundenlanges Aufleveln jedoch eher abschrecken als motivieren. Bandai Namco begegnet dem mit frei wählbaren Gameplay-Boostern, mit denen ihr euer Spielerlebnis anpassen könnt.

So lassen sich etwa der Erfahrungs- und Galdgewinn verdoppeln oder sogar vervierfachen. Auch der ausgeteilte Schaden kann erhöht werden – bis auf das Fünffache. Das beschleunigt Kämpfe und erleichtert den Fortschritt, hat allerdings einen Haken: Der erhöhte Schaden gilt für beide Seiten. Auch die Gegner treffen dadurch wesentlich härter, was besonders in Bosskämpfen schnell nach hinten losgehen kann. Eine praktische Option also, aber nicht unbedingt ein Freifahrtschein. Wird eure Gruppe im Kampf besiegt, könnt ihr die Begegnung problemlos erneut versuchen. In Dungeons helfen grüne Ladekristalle dabei, schnell wieder einzusteigen. Das macht Rückschläge weniger frustrierend und erspart unnötige Laufwege.

Auch optisch lässt euch die Remastered-Version die Wahl: Ihr könnt zwischen der überarbeiteten Darstellung und einer Grafikoption wählen, die sich am PlayStation-Original orientiert. Der Unterschied bleibt allerdings eher gering und beschränkt sich vor allem auf schärfere Kanten und Texturen. Gerade angesichts der Veröffentlichung für Nintendo Switch, PlayStation 5 und Xbox Series hätte man sich bei der grafischen Überarbeitung etwas mehr gewünscht. Andererseits handelt es sich nicht um einen Vollpreistitel, wodurch dieser Kritikpunkt etwas an Gewicht verliert.

Wertung
Tales of Eternia Remastered ist eine charmante Rückkehr zu den Wurzeln der Reihe. Die Geschichte rund um Inferia, Celestia und den drohenden Großen Fall folgt zwar vertrauten JRPG-Mustern, wird aber von einer sympathischen Gruppe und hervorragend geschriebenen Dialogen getragen. Das Echtzeit-Kampfsystem besitzt weiterhin seinen eigenen Reiz, während die neuen Gameplay-Booster den Klassiker angenehm zugänglicher machen. Abstriche gibt es bei der überschaubaren Welt, den wenigen Nebenaktivitäten und der eher dezenten grafischen Überarbeitung. Wer ein modernes JRPG mit weitläufiger Welt erwartet, könnte enttäuscht sein. Fans klassischer Tales-Abenteuer bekommen jedoch eine liebevolle Zeitreise, die auch heute noch viel Herz besitzt.
Wertung
80
Tales of Eternia Remastered ist am 15.Oktober 2026 für PC via Steam, PlayStation 4 und PlayStation 5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 erschienen.
Wir bedanken uns bei Bandai Namco für die Bereitstellung eines Review-Keys.