
Mit Pokémon Legenden: Arceus hat Game Freak vor einigen Jahren etwas gewagt, das viele Fans längst nicht mehr für möglich gehalten hätten: Man rückte von der gewohnten Formel ab, ließ klassische Arenastrukturen hinter sich und stellte das Erkunden, Forschen und Fangen stärker in den Fokus. Ein mutiger Schritt, der nicht perfekt war, aber genau deshalb so gut ankam, weil er sich endlich wieder nach Aufbruch anfühlte. Mit Pokémon Legenden: Z-A geht man diesen Weg nun weiter – allerdings nicht einfach als bloße Wiederholung. Statt erneut nur auf das freie Erkunden und Sammeln zu setzen, rücken diesmal Geschichte, Stadtleben und das Dasein als Trainer deutlich stärker ins Rampenlicht. Die große Frage lautet also: Kann Pokémon diese neue Formel erneut erfolgreich weiterentwickeln? Die Antwort fällt überraschend klar aus.
Willkommen in Illumina City
Schon die Wahl des Schauplatzes macht deutlich, dass Pokémon Legenden: Z-A andere Wege gehen will. Statt einer weitläufigen Naturregion verschlägt es euch diesmal nach Illumina City, jener ikonischen Metropole aus Pokémon X und Y, die vielen Fans bis heute in bester Erinnerung geblieben ist. Doch auch wenn man die Stadt auf den ersten Blick zu kennen glaubt, wartet unter der glänzenden Oberfläche weit mehr als nur ein nostalgisches Wiedersehen. Denn ihr kommt nicht als Held mit großem Namen an, sondern als Neuling, der sich erst einmal orientieren muss. Neue Straßen, neue Gesichter, neue Chancen – und gleichzeitig das Gefühl, dass in dieser Stadt etwas nicht stimmt.

Denn Illumina City birgt ein Geheimnis. Schon früh deutet das Spiel an, dass sich hinter den Fassaden, Plätzen und modernisierten Bezirken mehr verbirgt als bloßer urbaner Fortschritt. Vor allem Zygarde spielt dabei eine zentrale Rolle und schlägt eine schöne Brücke zu den offenen Fragen, die seit Pokémon X/Y im Raum standen. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Gerade Kenner der Kalos-Region werden hier immer wieder mit kleinen Aha-Momenten belohnt. Das gelingt Z-A erfreulich gut, weil es die Vergangenheit nicht einfach ausbeutet, sondern sinnvoll in eine neue Geschichte einwebt. So entsteht ein Abenteuer, das gleichermaßen vertraut und neu wirkt – und genau das ist eine der größten Stärken des Spiels.

Zwischen Fangzonen und Kampfzonen
Wer nach den ersten Trailern befürchtet hatte, eine einzige Stadt könne spielerisch zu wenig Abwechslung bieten, darf an dieser Stelle beruhigt aufatmen. Denn Pokémon Legenden: Z-A denkt Illumina City nicht nur als Kulisse, sondern als lebendigen Spielplatz mit unterschiedlichen Systemen. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei die Fangzonen, die tagsüber den Kern des gewohnten Legenden-Gefühls ausmachen. Hier streift ihr durch speziell eingerichtete Areale, beobachtet Pokémon in ihren Habitaten, schleicht euch an sie heran oder geht direkter vor. Das erinnert in den besten Momenten an Legenden: Arceus, fühlt sich aber zugleich etwas strukturierter und kontrollierter an. Dadurch verliert das Spiel zwar ein klein wenig von der wilden Ursprünglichkeit seines Vorgängers, gewinnt dafür aber an Fokus.
Neu und zugleich überraschend gut gelungen ist das Echtzeitkampfsystem, mit dem Pokémon Legenden: Z-A der Reihe eine spürbar dynamischere Note verpasst. Statt sich ausschließlich auf das gewohnte rundenbasierte Prinzip zu verlassen, wirken Kämpfe hier deutlich unmittelbarer, flotter und aktiver. Positionierung, Timing und das richtige Einschätzen gegnerischer Angriffe spielen eine größere Rolle als gewohnt, was besonders in hektischeren Duellen und bei Mega-Pokémon für spürbar mehr Spannung sorgt. Das mag für langjährige Fans anfangs etwas ungewohnt sein, fügt sich aber erstaunlich gut ins Gesamtbild ein und unterstreicht, dass Z-A nicht einfach nur Bekanntes wiederholt, sondern sich spielerisch tatsächlich weiterentwickeln will.

Sobald jedoch die Sonne untergeht, verändert sich das Gesicht von Illumina City. Dann öffnen die Kampfzonen ihre Tore und stellen den zweiten großen Pfeiler des Gameplays in den Vordergrund. Hier zählt nicht mehr nur Beobachtungsgabe, sondern vor allem Teamaufbau, Taktik und Durchhaltevermögen. Das ist ein spannender Kniff, weil Z-A damit seinen Tag-Nacht-Rhythmus clever nutzt und die beiden Identitäten des Spiels sauber voneinander trennt. Tagsüber Forscher, abends Trainer – diese Idee geht erstaunlich gut auf. Besonders motivierend ist zudem, dass ihr euch in den Kampfzonen nach erfolgreichen Auseinandersetzungen ein Challenge-Ticket erspielt, das euch wiederum neue Möglichkeiten für euren Aufstieg eröffnet.

Der Weg zu Rang A
Und genau dieser Aufstieg ist letztlich das Herzstück von Pokémon Legenden: Z-A. Denn im Laufe der Geschichte arbeitet ihr euch Stück für Stück in der Trainerrangliste nach oben, immer mit dem Ziel vor Augen, Rang A zu erreichen. Was auf dem Papier zunächst simpel klingt, entwickelt im Spiel einen erstaunlich starken Sog. Das liegt vor allem daran, dass Game Freak diesmal endlich wieder ein Gespür für seine Nebenfiguren und Rivalen beweist. Denn die eigentliche Stärke von Z-A liegt nicht allein in Zygarde, den Kämpfen oder dem Kalos-Flair – sie liegt in seinen Trainern.

Viele der Figuren, denen ihr auf eurem Weg begegnet, sind nicht nur schön designt, sondern vor allem sympathisch, eigenständig und bis zum Schluss relevant. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn gerade Pokémon hatte in der Vergangenheit häufiger damit zu kämpfen, interessante Charaktere zwar einzuführen, sie dann aber nur halbgar auszuspielen. In Z-A funktioniert das deutlich besser. Die Dialoge sind charmant geschrieben, die Begegnungen bleiben im Gedächtnis und die einzelnen Trainer fühlen sich tatsächlich wie Persönlichkeiten an – nicht bloß wie Hürden auf dem Weg zum nächsten Story-Event.

Hinzu kommt, dass der Spielfluss angenehm variiert. Denn ihr steigt nicht einfach nur im Rang auf, sondern müsst euch abwechselnd in Trainerduellen behaupten und Mega-Pokémon bezwingen. Letztere sorgen immer wieder für die nötigen Höhepunkte und passen thematisch hervorragend zur Rückkehr nach Kalos. Auch hier wird Zygarde immer wieder geschickt in den größeren Handlungsbogen eingebunden, wodurch die Story nicht auseinanderfällt, sondern ihre Spannung Schritt für Schritt aufbaut. Gerade dieses Zusammenspiel aus Rangliste, Mega-Kämpfen und Mysterium verleiht dem Abenteuer eine Dynamik, die Pokémon lange vermissen ließ.

Kleinere Stadt, großer Aufgabenberg
Zugegeben: Illumina City ist als Spielwelt natürlich überschaubarer als eine komplette Region. Doch genau daraus macht Pokémon Legenden: Z-A eine Stärke. Denn obwohl die Stadt in ihrem Umfang kontrollierter wirkt, gibt es erstaunlich viel zu tun. Überall warten Nebenmissionen, kleine Geschichten und optionale Aufgaben, die nicht nur Beschäftigungstherapie sind, sondern der Welt zusätzlich Charakter verleihen. Mal helft ihr einzelnen Bewohnern, mal klärt ihr ungewöhnliche Vorkommnisse, mal werdet ihr für eure Neugier ganz direkt belohnt. Gerade diese Vielfalt sorgt dafür, dass man selten das Gefühl hat, bloß von Hauptmission zu Hauptmission zu hetzen.

Und dann wäre da natürlich noch der altbekannte Motivationsmotor namens Pokédex. Auch in Z-A sorgt das Vervollständigen des Eintragsbuchs für ständigen Antrieb, zumal das Spiel das Fangen und Beobachten angenehm mit seinem Stadtkonzept verknüpft. Darüber hinaus motiviert aber besonders der Mega-Pokédex, der den Sammeltrieb noch einmal gezielt anheizt. Wer ohnehin dazu neigt, in Pokémon-Spielen jedes noch so kleine Ziel abhaken zu wollen, wird hier viele zusätzliche Stunden versenken. Genau deshalb entwickelt Z-A jenen Sog, den man sich von einem guten Pokémon-Spiel erhofft: Man erledigt eine Nebenmission, fängt unterwegs noch schnell ein Pokémon, entdeckt ein weiteres Ziel auf der Karte – und plötzlich ist wieder eine Stunde verschwunden.

Wertung
Illumina City kann trotz aller Abwechslung nicht in jedem Moment dieselbe Freiheit vermitteln wie die offene Wildnis von Arceus. Doch dafür macht das Spiel an anderer Stelle enorme Schritte nach vorne. Vor allem die stärkere Story-Ausrichtung, der Fokus auf das Trainerleben, die gelungen eingebundenen Figuren und der clevere Wechsel aus Fang- und Kampfzonen geben Z-A ein eigenes Profil. Dazu kommt die schöne Verbindung zu Pokémon X/Y, die Rückkehr der Mega-Entwicklungen und ein Abenteuer, das deutlich mehr Herz besitzt, als man nach außen hin vielleicht vermuten würde. Kurzum: Pokémon Legenden: Z-A ist kein bloßer Nachzügler, sondern eine gelungene Weiterentwicklung mit eigener Identität. Ein Spiel, das mehr Zuspruch verdient, als ihm vielerorts zugestanden wird.
85
Pokémon Legenden: Z-A ist am 16.Oktober 2025 für Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 erschienen.