Review: Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung – Ein weiterer Musou-Feldzug für Hyrule

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Wenn es um das Musou-Genre geht, dann galt Dynasty Warriors über viele Jahre hinweg als unangefochtener Platzhirsch. Tausende Gegner, gewaltige Schlachtfelder und Helden, die sich im Sekundentakt durch Feindesmassen pflügen – das alles war lange Zeit fest in der Hand von Koei Tecmo. Doch mit Hyrule Warriors und Fire Emblem Warriors hat sich auch Nintendo in diesem Genre längst einen festen Platz erarbeitet. Vor allem Fans liebgewonnener Reihen bekamen dadurch die Möglichkeit, ihre Helden einmal von einer ganz anderen Seite zu erleben. Mit Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung steht nun der zweite große Zelda-Ausflug dieser Art an, der vor allem eines will: die Lücke für all jene schließen, die nach Tears of the Kingdom noch nicht genug von Hyrule bekommen konnten. Die gute Nachricht vorweg: Das gelingt durchaus. Die weniger gute: Zum ganz großen Wurf reicht es diesmal nicht.

Zeldas Reise in eine ferne Vergangenheit

Diesmal steht nicht Link, sondern vor allem Zelda im Zentrum des Geschehens. Während der Ereignisse von Tears of the Kingdom wird sie in die Vergangenheit Hyrules versetzt und erlebt dort ein eigenes Abenteuer, das die bekannte Geschichte sinnvoll ergänzen soll. Bei ihrer Ankunft regiert König Rauru über ein Hyrule, das noch von Frieden geprägt ist. Doch wie es sich für diese Reihe gehört, ist dieser Frieden natürlich nicht von Dauer. Denn die Bedrohung naht schon bald – und wenig überraschend trägt sie erneut einen altbekannten Namen: Ganondorf.

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Gestatten: König Rauru und Freunde

Genau hier liegt aber zugleich auch einer der kleinen Haken der Erzählung. So stimmungsvoll die Reise in die Vergangenheit und die Einbettung in das größere Zelda-Gefüge auch geraten ist, die Enthüllung des eigentlichen Bösewichts nimmt der Handlung etwas Spannung. Denn dass Ganondorf am Ende wieder seine Finger im Spiel hat, überrascht mittlerweile kaum noch. Das heißt nicht, dass die Geschichte nicht funktioniert – im Gegenteil. Sie liefert einen schönen Zusatzblick auf die Lore rund um Rauru, Zelda und die Geschehnisse während Tears of the Kingdom. Aber der ganz große Aha-Moment bleibt eben aus.

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Und täglich grüßt das Murmeltier

Erfreulich ist dagegen, dass das Spiel mit zwei Story-Strängen arbeitet. Neben Zelda spielt auch ein mysteriöses Konstrukt eine wichtige Rolle, was dem Ganzen etwas mehr erzählerische Dynamik verleiht. Noch wichtiger ist aber, wie sympathisch die Figurenriege insgesamt ausfällt. Jedes Volk Hyrules erhält seinen Helden und meist gleich noch zwei treue Begleiter obendrauf, die ebenfalls spielbar sind. Das sorgt nicht nur für Fanservice, sondern auch für eine angenehm breite Auswahl an Charakteren. Dazu kommt: Sämtliche Zwischensequenzen sind wunderbar vertont, die deutsche Synchronisation macht einen richtig guten Job und verleiht vielen Szenen genau die emotionale Note, die sie brauchen.

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Ist zwar kein Link, aber besser als gar nichts

Auf dem Weg zur Rückeroberung Hyrules

Spielerisch gliedert sich Chronik der Versiegelung in fünf Kapitel, die nicht nur zahlreiche Story-Missionen, sondern auch eine große Menge an Nebenmissionen bieten. Und die braucht es auch, denn bei dieser Fülle an Charakteren will natürlich jeder seinen Platz im Spiel bekommen. Genau darin liegt eine der großen Stärken des Titels: Die vielen Helden bringen nicht nur erzählerisch Charme mit, sondern sorgen auch spielerisch für Abwechslung. Man levelt seine Kämpfer, rüstet sie mit Waffen aus, verteilt waffenspezifische Fähigkeiten, nutzt Items und entfesselt Spezialattacken, um auf dem Schlachtfeld die Oberhand zu behalten. Praktisch ist dabei vor allem, dass man in den meisten Missionen vier Charakter-Slots zur Verfügung hat. Zwar sind oft zwei Plätze fest vergeben, doch die übrigen zwei lassen genügend Spielraum, um seine Lieblingshelden mit ins Gefecht zu nehmen. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil man so nicht ständig das Gefühl hat, nur nach Vorgabe zu spielen. Wer sich auf bestimmte Figuren eingeschossen hat, darf diese meist auch regelmäßig einsetzen.

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Quino hat sich in unser Herz gespielt

Weniger überzeugend geriet dagegen die Präsentation der Welt selbst. So sehr die Charaktere und Zwischensequenzen glänzen, optisch macht Hyrule als Schlachtfeld leider nicht immer viel her. Die Umgebungen erfüllen ihren Zweck, bleiben aber oft erstaunlich unspektakulär und können mit der Magie der Hauptreihe kaum mithalten. Technisch läuft das Spiel dafür erfreulich rund. Selbst wenn sich massenhaft Feinde auf dem Bildschirm tummeln, bleibt das Geschehen im Kampf angenehm flüssig. Das ist bei einem Musou-Titel bekanntlich keine Selbstverständlichkeit und daher definitiv positiv hervorzuheben. Was allerdings deutlich schwerer ins Gewicht fällt, ist die geringe Abwechslung bei den Missionszielen. Meist läuft es darauf hinaus, Punkt A zu erobern oder Boss B auszuschalten. Das funktioniert anfangs noch gut, nutzt sich mit der Zeit aber spürbar ab. Und genau hier kommt man zwangsläufig zum Kern eines Musou-Spiels: dem eigentlichen Kampfsystem.

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König Rauru geht mit stolz geschwellter Brust voran

Viel Spektakel, wenig Taktik

Denn so imposant die Schlachten auf den ersten Blick auch wirken mögen, in der Praxis zeigt sich schnell, dass Chronik der Versiegelung spielerisch deutlich geradliniger ausfällt, als man vielleicht hoffen würde. Während Fire Emblem Warriors zumindest stellenweise mit mehr taktischen Komponenten auftrumpfen konnte, bleibt Hyrule Warriors deutlich simpler. Im Grunde basiert ein Großteil der Gefechte auf einer Art Papier-Stein-Schere-Prinzip über Spezialattacken, während darüber hinaus nur wenig taktische Tiefe entsteht. Zwar könnt ihr eure Helden auf dem Schlachtfeld verschieben, doch dieser Befehl dient meist eher dazu, später selbst zu ihnen zu wechseln und die jeweilige Aufgabe manuell zu erledigen. Denn allein tragen die KI-gesteuerten Mitstreiter nur selten entscheidend zum Fortschritt bei. Wer effizient spielen will, muss fast immer selbst Hand anlegen. Das macht die Kämpfe zwar nicht schlecht, nimmt ihnen aber etwas von jener strategischen Komponente, die gerade bei großen Schlachten eigentlich für zusätzliche Spannung sorgen könnte.

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Die Karte von Hyrule ist sehr groß ausgefallen, es gibt viel zu tun

Die Bosse wiederum wissen anfangs durchaus zu beeindrucken. Sie sind groß inszeniert, passen wunderbar ins Zelda-Universum und sorgen für einige spektakuläre Momente. Leider setzt das Spiel hier zu häufig auf Wiederholung. Viele Bosskämpfe verlieren ihren Reiz, weil bekannte Gegnertypen immer wieder recycelt werden. Das gilt leider auch für das Endgame, wo zwar Superbosse auf euch warten, diese aber meist keine wirklich neuen Designs mitbringen, sondern eher verstärkte Varianten bekannter Gegner darstellen. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad zieht das Spiel im späteren Verlauf aber durchaus merklich an. Vor allem gegen Ende werden manche Missionen und Begegnungen überraschend fordernd, was dem Ganzen immerhin etwas mehr Biss verleiht. Und wer zu den Perfektionisten gehört, darf sich ohnehin auf viele zusätzliche Stunden einstellen. Denn beim Versuch, wirklich 100% Spielfortschritt zu erreichen, hat man im Endgame noch eine ganze Menge zu tun. Gerade für Completionists ist das ein klarer Pluspunkt.

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Nach erfolgreicher Rettung Hyrules kann man am Ende gerne ein Tränchen verdrücken

Wertung

Mit Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung liefern Koei Tecmo und Nintendo einen soliden Musou-Ableger ab, der die Geschichte von Tears of the Kingdom sinnvoll ergänzt und Fans der Welt von Hyrule durchaus abholen kann. Vor allem die sympathische Charakterriege, die starke deutsche Vertonung und die liebevoll inszenierten Zwischensequenzen sorgen dafür, dass man gerne am Ball bleibt. Auch die große Auswahl an spielbaren Helden und die vielen Nebenmissionen sprechen klar für das Spiel Zum Überflieger reicht es am Ende aber nicht. Dafür fehlt es den Missionen an Abwechslung, dem Kampfsystem an taktischer Tiefe und der Präsentation der Spielwelt an optischer Strahlkraft. Wer ein actionreiches Zelda-Abenteuer mit viel Fanservice sucht, wird hier definitiv gut bedient. Wer aber auf den nächsten großen Musou-Meilenstein hofft, sollte seine Erwartungen etwas zügeln. Ein gutes Spin-off mit Herz, aber eben kein ganz großer Triumphzug.

Schöne Ergänzung zur Geschichte von Tears of the Kingdom
Sehr sympathische Charakterriege mit vielen spielbaren Helden
Alle Zwischensequenzen sind hervorragend vertont, auch in deutscher Synchro
Viele Story- und Nebenmissionen sowie reichlich Inhalt für Perfektionisten
Im Kampf technisch angenehm flüssig, auch mit vielen Gegnern auf dem Bildschirm (Nintendo Switch 2)

Ganondorf als Bösewicht sorgt kaum noch für echte Überraschung
Missionsziele wiederholen sich zu oft und bieten wenig Abwechslung
Kampfsystem bleibt spielerisch zu simpel und kaum taktisch
Hyrule und seine Umgebungen bleiben optisch hinter ihren Möglichkeiten zurück
Bosse wirken zwar imposant, werden aber zu repetitiv eingesetzt

Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung ist am 06.November 2025 für Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 erschienen.

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