
Ursprünglich handelt es sich bei Goblin Slayer um eine Light-Novel-Reihe von Kumo Kagyu mit Illustrationen von Noboru Kannatsuki, die 2016 das Licht der Welt erblickte. Schon bald folgte die Umsetzung als Manga, ehe spätestens der Anime für eine deutlich größere Bekanntheit sorgte. Dabei ist es vor allem die schonungslose Härte, die Goblin Slayer von vielen anderen Fantasy-Serien abhebt. Eine Videospielumsetzung lag daher eigentlich auf der Hand. Doch statt uns in ein kompromissloses Action-Adventure zu schicken, präsentiert sich Goblin Slayer -ANOTHER ADVENTURER- NIGHTMARE FEAST als taktisches RPG. Ob dieses Konzept den Charme der Vorlage einfangen kann, verraten wir euch in unserem Review.
Eine neue Gildenmeisterin betritt die Bühne
Wie der Name bereits verrät, steht diesmal nicht direkt der Goblin Slayer im Mittelpunkt. Stattdessen schlüpft ihr in die Rolle einer jungen Heldin, die nach dem Tod ihres Vaters dessen Platz an der Spitze einer Abenteurergilde übernimmt. Zwischen den Pflichten als Gildenmeisterin und den eigenen Abenteuern bleibt dabei kaum Zeit zum Durchatmen. Denn schon bald warten Vampire, Elfen und zahlreiche weitere Gefährten sowie Widersacher darauf, in die Geschichte einzugreifen. Im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Vaters stößt die junge Gildenmeisterin schließlich auf ein mysteriöses Artefakt. Dieses soll angeblich über die Macht verfügen, Tote wieder zum Leben zu erwecken. Damit ist natürlich das Interesse zahlreicher Parteien geweckt. Gemeinsam mit ihrer Gruppe muss sie nicht nur herausfinden, was es mit diesem Gegenstand auf sich hat, sondern auch den Frieden im Land bewahren. Denn wenn eine Macht existiert, die den Tod überwinden kann, dauert es nicht lange, bis andere ihre eigenen Pläne damit verfolgen.

Auch wenn neue Figuren im Zentrum der Handlung stehen, bleibt der typische Goblin-Slayer-Flair erfreulicherweise erhalten. Schließlich war Serienschöpfer Kumo Kagyu direkt an der Handlung und dem Konzept des Spiels beteiligt. Die neuen Hauptfiguren, darunter die Gildenmeisterin und die Vampirprinzessin, stammen zudem aus der Feder von Noboru Kannatsuki, dem offiziellen Illustrator der Light Novels. Das merkt man dem Spiel auch an, denn die gesamte Präsentation fühlt sich wie eine interaktive Light Novel an. Die Dialoge sind vollständig auf Japanisch vertont, wodurch die Figuren durchaus Leben erhalten. Auf animierte Zwischensequenzen verzichtet der Titel allerdings komplett. Stattdessen erwarten euch zahlreiche Textboxen und vertonte Charakterbilder. Wer vor allem wegen der brutalen Action und der kompromisslosen Inszenierung aus Manga und Anime hier landet, könnte dadurch enttäuscht sein. Die Geschichte funktioniert, wird aber deutlich stärker gelesen als erlebt.

Der Alltag einer Gildenmeisterin
Damit zwischen den Story-Missionen keine Langeweile aufkommt, müsst ihr euch natürlich auch um eure Gilde kümmern. Die Aufgaben als Gildenmeisterin fallen zwar relativ überschaubar aus, umfassen aber mehrere wichtige Bereiche. Ihr heuert Söldner an, verwaltet eure Ausrüstung und Gegenstände und arbeitet anschließend die Auftragsliste ab. Einfach von einer Hauptmission zur nächsten zu springen, ist dabei nicht vorgesehen. Viele Story-Aufträge werden erst freigeschaltet, wenn zuvor bestimmte Nebenmissionen erledigt wurden.

Diese Aufgaben fallen angenehm abwechslungsreich aus. Mal müsst ihr wilde Wölfe in der Nähe eines Dorfes beseitigen, mal eine Basis von Bergbanditen stürmen oder euch anderem Getier an die Gurgel werfen. Was man eben so macht, wenn man eine Abenteurergilde leitet. Zusätzlich warten Gespräche innerhalb eurer Gruppe auf euch, die sich im Verlauf der Geschichte immer weiter vergrößert. Dabei trefft ihr nicht nur auf neue, eigens für das Spiel geschaffene Figuren, sondern natürlich auch auf die bekannte Party rund um den Goblin Slayer. Für Fans der Vorlage ist das ein schönes Wiedersehen.

Vor vielen Story-Missionen stehen außerdem sogenannte Trainingsquests auf dem Programm. Hier könnt ihr eure Gruppe aufleveln und euch für die kommenden Gefahren vorbereiten. Das ist auch dringend nötig, denn bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad haben es die Gegner ordentlich in sich. Wer sich direkt für den schweren Modus entscheidet, muss sich auf eine noch größere Herausforderung einstellen. Das Kampfsystem verlangt taktisches Vorgehen und wer mit diesem Genre bisher wenig Erfahrung hat, wird entsprechend viel Lehrgeld bezahlen.

Immerhin verzichtet Nightmare Feast auf eine permanente Charakterentwicklung mit endgültigen Verlusten. Stirbt ein liebgewonnener Held, müsst ihr euch also nicht für immer von ihm verabschieden. Etwas schade ist jedoch, dass die zusätzlichen Söldner abseits der zentralen Party kaum Persönlichkeit besitzen. Kämpfer A, Bogenschütze B und Magier C erfüllen zwar ihren Zweck, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck. Gerade hier hätte man noch mehr bekannte Figuren oder zusätzlichen Fanservice aus der Vorlage einbauen können. Doch kommen wir nun zum Kernstück des Spiels: den taktischen Gefechten.

Taktik auf kariertem Schlachtfeld
Sobald alle Pflichten als Gildenmeisterin erledigt sind, geht es endlich in die Schlacht. Als große Vorbilder standen dabei offensichtlich Genre-Klassiker wie Final Fantasy Tactics und Tactics Ogre Pate. Dieser Ansatz ist keineswegs schlecht, denn Goblin Slayer -ANOTHER ADVENTURER- NIGHTMARE FEAST beweist durchaus, dass das Universum der Serie auch auf einem taktischen Schlachtfeld funktioniert. Zu Beginn einer Mission platziert ihr eure Truppe und startet anschließend in rundenbasierte Gefechte. Abwechselnd bewegt ihr eure Einheiten, führt Angriffe aus oder aktiviert Fähigkeiten, ehe die gegnerische Seite an der Reihe ist. Meist nähert man sich den Feinden vorsichtig an, doch manche Missionen drehen den Spieß um und versetzen eure Gruppe in eine defensive Position. Für diese Situationen könnt ihr bereits vor Kampfbeginn Fallen platzieren, Wege versperren und das Schlachtfeld zu eurem Vorteil nutzen. Das ist eine nette Idee und bringt etwas Abwechslung in den Ablauf.

Wie in der Vorlage sind Magie und besondere Aktionen ein kostbares Gut. Wer glaubt, in jeder Runde Spezialattacken oder mächtige Feuerzauber einsetzen zu können, wird schnell eines Besseren belehrt. Fähigkeiten sind begrenzt und müssen daher wohlüberlegt eingesetzt werden. Stattdessen greift man häufig auf normale Attacken zurück und muss genau abwägen, welchen Gegner man wie stark unter Druck setzt. Die Feinde können nämlich nicht nur ordentlich einstecken, sondern auch kräftig austeilen. Dadurch werdet ihr manche Mission nicht mit der kompletten Gruppe beenden. Erfahrungspunkte gibt es erfreulicherweise trotzdem für alle eingesetzten Charaktere.

Etwas ungewöhnlicher fällt die Fate-&-Chance-Mechanik aus, die sich auf die Pen-&-Paper-Wurzeln der Serie besinnt. Pro Mission steht euch eine begrenzte Anzahl an Würfen zur Verfügung. Dabei könnt ihr selbst bestimmen, welchen Vorteil ihr erzielen wollt – etwa einen kritischen Treffer, eine Negierung einer Falle oder andere Perks, die im weiteren Spielverlauf freigeschaltet werden. Je nach Stärke des gewünschten Effekts müsst ihr mit zwei Würfeln eine bestimmte Punktzahl erreichen. Das Ganze ist zwar nicht spielentscheidend, kann in schwierigen Situationen aber durchaus hilfreich sein.

So ambitioniert das Kampfsystem auch ausfällt, die Schlachtfelder selbst bleiben leider hinter den Möglichkeiten zurück. Die Maps sind nur selten kreativ gestaltet und bieten kaum besondere taktische Überraschungen. Hinzu kommt ein insgesamt sehr langsamer und behäbiger Spielfluss. Viele Missionen ziehen sich dadurch unnötig in die Länge und werden zu einem echten Geduldsspiel. Gerade im Vergleich mit den großen Genre-Vertretern fehlt es Nightmare Feast an Tempo und Eleganz.
Wertung
Mit Goblin Slayer -ANOTHER ADVENTURER- NIGHTMARE FEAST liefert Game Studio ein taktisches RPG ab, das die Vorlage respektiert, ihr Potenzial aber nicht vollständig ausschöpft. Die Geschichte stammt direkt aus der Feder von Kumo Kagyu, die neuen Charaktere wurden von Noboru Kannatsuki gestaltet und auch die bekannten Helden der Serie sind mit von der Partie. Das taktische Kampfsystem funktioniert grundsätzlich gut, die Fate-&-Chance-Mechanik sorgt für eine interessante Pen-&-Paper-Note und der Schwierigkeitsgrad fordert euch bereits auf normaler Stufe ordentlich. Leider bremsen die wenig kreativen Maps, der behäbige Spielfluss, die blassen Söldner und die komplett fehlenden animierten Zwischensequenzen das Gesamterlebnis spürbar aus. Für Fans der Serie und Hardcore-Anhänger des Genres ist Nightmare Feast dennoch einen Blick wert. Alle anderen greifen aber besser zu den deutlich ausgereifteren Genre-Größen.
69
Goblin Slayer -ANOTHER ADVENTURER- NIGHTMARE FEAST ist am 15.November 2024 exklusiv für Nintendo Switch erschienen.