
One Piece zählt längst zu den größten Manga- und Anime-Marken der Welt, doch bei Videospielen blieb die Reihe oft hinter ihrem Potenzial zurück. Mit One Piece World Seeker wollte Bandai Namco deshalb neue Wege gehen und Ruffy erstmals in ein offeneres Action-Abenteuer schicken. Ob dieser Ansatz aufgeht und das Spiel Fans wirklich das liefert, was sie sich lange gewünscht haben, klären wir in unserem Nachspiel.
Abenteuer auf der Gefängnisinsel
Im Mittelpunkt der Handlung von One Piece World Seeker steht die Gefängnisinsel, eine Einrichtung die Insassen zu Land, im Meer und gar im Himmel beherbergt. Zahlreiche gefährliche Verbrecher versauern dort in den Zellen unter dem strengen Regime von Gefängnisdirektor Isaac, der in seinem Territorium selbst mehr Entscheidungsgewalt besitzt, als die gefürchteten Marine-Admiräle. Doch das war nicht immer so! Einst als Juweleninsel bekannt lebten die Bewohner in Wohlstand und Frieden. Doch derartiger Reichtum lockt stets auch die Saat des Bösen an, und so wurde das Land schon bald heimgesucht von finsteren Piraten, die allesamt auf der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz waren. Es ist jener Schatz, von dem auch die Strohhutpiraten Wind bekommen haben. Nach einem missglückten Einbruchversuch in das hiesige Himmelsgefängnis findet sich die Crew rund um Kapitän Monkey D. Ruffy nun jedoch selbst auf der einstigen Juweleninsel wieder, wo die Herrschaft der Marine nicht von allen Bewohnern begrüßt wird. Es liegt nun an euch, die finsteren Machenschaften von Isaac, gemeinsam mit eurer neuen Gefährtin Jeanne, aufzudecken!

Bereits im Intro erkennen Fans der Anime-Serie die Handschrift von Schöpfer Eiichiro Oda, denn One Piece World Seeker sieht auf dem ersten Blick wie ein interaktiver Film aus. Dramaturgisch orientiert man sich dabei an den letzten Kinofilm „One Piece Gold“, wo die Tragödie zu Beginn ebenfalls noch vom Schein des Friedens verborgen war. Mit dem Gefängnisdirektor Isaac und der jungen Rebellin Jeanne wird die Handlung von zwei starken Gesichtern getragen, die auch den Charme des Mangas verkörpern. Dort reiht man sich zeitlich zwischen dem Fall von Dressrosa und dem Angriff auf Whole Cake Island ein, was das nicht mehr ganz aktuelle Kopfgeld von Monkey D. Ruffy mit 500 Millionen Berry impliziert.
Gestatten: Monkey D. Ruffy
Für die Rettung der Insel prädestiniert ist natürlich Protagonist der Serie, Monkey D. Ruffy, seines Zeichen Piratenkönig in spe, in dessen Haut ihr diesmal schlüpfen dürft. Mit seiner Teufelskraft der Gum-Gum Frucht kann dieser als Gummi-Mensch auf eine Vielzahl von kreativen Attacken und Fortbewegungsmanöver zurückgreifen, die allen Fans der Serie nur mehr als all zu gut bekannt sein werden. Diese sind allesamt in bis zu fünf (später gar sechs) unterschiedlichen Fertigkeitsbäumen untergebracht und müssen erst im Laufe des Abenteuers mit Fertigkeitspunkten freigeschalten werden. Diese könnt ihr entweder fleißig beim Verprügeln von Marinesoldaten und Piraten, die auf der Insel ihr Unwesen treiben, sammeln, oder ihr erhält diese in großzügiger Menge nach Abschluss von Haupt- und Nebenmissionen.

Nach einem kurzen Tutorial wirft euch World Seeker direkt ins Geschehen und beweist eindrucksvoll, dass eine vorlagengetreue Umsetzung von Strohhut-Ruffy gelungen ist. So schwingt ihr euch nach kurzer Eingewöhnungszeit mit dem sympathischen Protagonisten problemlos von Dach zu Dach und auch das Kampfsystem weiß zu überzeugen. Dabei unterscheidet ihr zwischen dem Panzerungs- und Beobachtungs-Haki, das ihr per Knopfdruck wechseln könnt und dabei auf unterschiedliche Attacken und Manöver je nach Situation zurückgreifen könnt. Solltet ihr im Gefecht dabei mal getroffen werden, dann regeneriert sich eure Gesundheit im Verlauf der Zeit wieder, was sich vor allem in spektakulären Bosskämpfen als hilfreich erweist. Mit Nah- und Fernangriffen nehmt ihr dabei eure Gegner aufs Korn und könnt zudem auf ikonische Spezialattacken zurückgreifen. Damit beweist Bandai Namco, dass man sich die Kritik der Fans zu Herzen genommen hat, denn die Steuerung wurde auch von uns bei der Gamescom im vergangenen Jahr stark bemängelt. Was wir damals als träge bezeichneten, spielt sich nun in der finalen Fassung sehr dynamisch und motiviert zugleich, die Gegend rund um die Gefängnisinsel näher zu erkunden!

Edelsteine an der Tagesordnung
Wie es sich für eine Juweleninsel gehört, reist ihr durch zahlreiche Gebiete und Städte die nach diversen Edelsteinen benannt sind. Vom Bernsteinhafen über die Rubinstadt bis hin zur Topasmine, der Name ist stets Programm. Zwischen den zahlreichen Bewohner die diese Gegenden besiedeln trefft ihr vereinzelt auch immer auf NPCs, die euch fleißig mit Missionen versorgen. Mal gilt es Materialien, die großzügig in der Spielwelt verstreut sind, zu sammeln, Gegner zu verprügeln oder einfach nur von A nach B zu reisen. Obwohl dies nach typischer Open-World Kost klingt, sind diese Aufgaben insofern motivierend, steigern sie unmittelbar euer Karma. Tu Gutes und dir widerfährt Gutes – frei nach diesem Motto baut ihr engere Bindungen zu den Nebencharakteren auf, die euch im weiteren Verlauf mit wertvollen Fertigkeitspunkten oder gar neuen Sequenzen belohnen.

Fans der Serie dürfen sich im Laufe des Abenteuers zudem über ein Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Gesichtern aus der Serie freuen, zu denen alte Feinde oder erst kürzlich auf den Plan getretene Verbündete ebenso zählen. Zudem bieten zahlreiche Bosskämpfe für Abwechslung, allen voran natürlich die bereits angekündigten Marine-Admiräle Roter Hund, Gelber Affe und Purpurner Tiger. Sollten euch diese Konfrontationen langweilen, dann dürft ihr zwischen fünf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden wechseln und auch eine Schnellreisefunktion mit kurzen Ladezeiten wurde in die Spielwelt integriert. Einziges Manko ist der spärlich gesäte Soundtrack, denn bei euren abenteuerlichen Reisen durch die Landschaften der Gefängnisinsel werdet ihr primär eure eigenen Schritte, anstelle von wohlklingenden Melodien, wahrnehmen. Selbiges gilt auch für die japanische Synchronisation, die ebenfalls wie bei Jump Force nicht konsequent durchgezogen wurde.

Wertung
One Piece World Seeker richtet sich in erster Linie an Fans der Serie, die über einige Schwächen hinwegsehen können. Zwar punktet das Spiel mit einer interessanten Handlung, einer optisch gelungenen Spielwelt und spürbarer Liebe zu den Figuren, insgesamt bleibt es jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Vor allem die nicht immer gelungene Erzählweise schmälert den Spielfluss spürbar, sodass der Ausflug auf die Gefängnisinsel selbst heute eher ein solides Fan-Abenteuer als ein uneingeschränkt lohnenswerter Trip ist.
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Universum
One Piece World Seeker ist am 15. März 2019 für Xbox One und PlayStation 4 erschienen.