Review: Cyberpunk 2077 – Die Zukunft ist jetzt!…oder erst Jahre später

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Kaum ein Spiel wurde im Vorfeld so gehypt wie Cyberpunk 2077. Nach dem riesigen Erfolg von The Witcher 3 waren die Erwartungen an CD Projekt RED enorm. Zum Release konnte das Sci-Fi-Rollenspiel diese jedoch nur teilweise erfüllen und machte vor allem wegen technischer Probleme Schlagzeilen. Jahre später hat sich der Blick auf Cyberpunk 2077 aber deutlich verändert: Zahlreiche Updates und Überarbeitungen haben Night City zu dem Erlebnis gemacht, das sich viele von Anfang an erhofft hatten. Gemeinsam mit Johnny Silverhand, gespielt von Keanu Reeves, erwartet Spieler heute ein stilvolles und deutlich gereiftes Abenteuer. Ob Cyberpunk 2077 inzwischen doch noch ein echtes Highlight ist, klären wir in unserem Test.

Willkommen in Night City

Night City, die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, zumindest wenn man ganz oben steht. Denn die dystopische Megalopolis ist zeitgleich auch der Untergang für viele Träumer, die ihren Platz im Leben erst noch suchen und finden müssen. Einer davon seid ihr, Vincent oder Valerie, kurz genannt V. Ein Söldner der gemeinsam mit seinem besten Freund Jackie Welles in die Oberliga aufsteigen will. Um das zu bewerkstelligen gilt es Aufträge von sogenannten Fixern zu erledigen, wo es heißt: Je gefährlicher, desto lukrativer! Eines Tages scheint der Traum zum Greifen nah zu sein, als der mächtige Dexter DeShawn die Bildfläche des Duos betritt und ihnen einen Job anbietet, der ihre Ambitionen wiederspiegelt. Im Zentrum des Coups steht der Mega-Konzern Arasaka und was dabei passieren kann, wenn man so einer Übermacht ans Bein pinkelt, das bekommt ihr schon kurz darauf zu spüren. Wie das ausgeht und was der Revolutionär und Terrorist Johnny Silverhand mit euch zu schaffen hat, das gilt es jedoch selbst herauszufinden.

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Stilistisch weiß man klar zu überzeugen.

Der Einstieg in die Welt von Cyberpunk 2077 erfolgt in einem rund fünfstündigen Prolog, der jedes Mal denselben Ausgang nimmt. Wie ihr jedoch dorthin gelangt, das bleibt euch überlassen. Denn zu Beginn könnt ihr euch bereits für einen von drei unterschiedlichen Lebenswegen entscheiden und zwar den des Konzerners, Street Kids oder Nomaden. Diese beeinflussen jedoch nicht nur den Start eures Abenteuers, sondern auch euren Wissenstand rund um Night City. Als Konzerner kennt ihr euch bestens mit den finsteren Machenschaften von Unternehmen aus und könnt in Gesprächen mit Geschäftsleuten aus dem Nähkästchen plaudern. Als Nomade hingegen seid ihr vertraut mit den sogenannten Badlands, den äußeren Bezirken der Metropole, wo es weitaus härter zur Sache geht. Das Gesetz der Straße gilt für euch als Street Kid, wo man vertraut mit den diversen Banden der Großstadt ist. Und davon gibt es viele, wie ihr noch im weiteren Verlauf der Geschichte feststellen werdet, mal positiv, mal leidvoll. Doch zunächst der Reihe nach!

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Euren V könnt ihr nach Vorlieben ausrüsten dank klassischem Loot-System.

Gestatten, V!

Bevor eure Reise in Night City nämlich losgeht, könnt ihr mittels Charaktereditors euren V nach Herzenslust gestalten. Das beginnt zunächst mit der Wahl des Geschlechts und reicht hin bis zur tatsächlichen Auswahl der Geschlechtsteile inklusive deren Größe. Ein nettes Gimmick, das besonders zu Beginn für ein Schmunzeln sorgt, rückblickend jedoch ein bisschen über den geringen Umfang des Editors hinwegtäuscht.  Zwar wird eine großzügige Palette an Möglichkeiten zur Individualisierung geboten, großartig von der Konkurrenz wie zum Beispiel der Fallout-Reihe unterscheidet man sich aber leider nicht. Größte Manko hier ist sogar, dass euer Aussehen endgültig bleibt, das heißt ihr habt nachträglich nicht einmal mehr die Möglichkeit, eure Frisuren oder Tätowierungen zu verändern. Da tröstet es ein wenig darüber hinweg, dass ihr euch kaum selbst begutachten werdet, denn selbst Gespräche und Ingame-Videosequenzen werden aus der First-Person-Sicht verfolgt. Viel wichtiger sind ohnehin die Eigenschaften von V und davon gibt es eine Menge.

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Während die Attribute noch übersichtlich gestaltet sind, …

Euer Charakter definiert sich über sogenannte Attribute, die sich unterteilen in Konstitution, Reflexe, Technische Fähigkeiten, Intelligenz und Coolness. Wie für Rollenspiele üblich sollte die Wahl, in welche Zweige primär investiert wird, wohl überlegt und dem Spielstil angepasst werden. Wer zum Beispiel sein Augenmerk auf Konstitution und Reflexe legt, eignet sich eher zum Straßenkämpfer und Rambo, als ein Techie. Intelligenz und technische Fähigkeiten fördern dort nämlich eurer technisches Geschick rund ums Hacking, wo in der Zukunft nicht nur Geräte, sondern auch Personen überlistet werden können. Coolness ist gleichzusetzen mit dem Charisma von V, das gesteigert neue, zum Teil bessere Dialogoptionen ermöglicht. Doch damit sind wir noch lange nicht fertig, denn jedes dieser Attribute besitzt meistens zwei bis drei Untergruppen, den sogenannten Vorteilen. Dort könnt ihr euren Spielstil mit Perks zusätzlich vertiefen und unterstützen. Dementsprechend  steht ihr bei jedem Levelanstieg vor der Qual der Wahl, wenn es gilt, die neu gewonnenen Attributs- und Vorteilspunkte auszugeben. Letztere bekommt ihr übrigens auch gutgeschrieben, wenn ihr euch fleißig an einen Stil hält. Und eines vorweg: Gelegenheiten dazu bekommt ihr zu Genüge in Night City.

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… gilt es sich bei den Vorteilen sorgfältig einzulesen.

Die Stadt der (un)begrenzten Möglichkeiten

Der erste Blick auf die Karte von Night City ist fürwahr beeindruckend. Eine riesige Spielwelt, aufgeteilt in sieben Bezirke mit einer schier unendlichen Anzahl an Icons, die Missionen und Interaktionsmöglichkeiten signalisieren. Den Großteil dieser Nebenaktivitäten machen sogenannte NCPD-Aufträge aus, wo ihr der Polizei unterstützend unter die Arme greift, wenn es darum geht, Fieslinge auszuschalten. Selbiges gilt auch für Nebenmissionen, die euch in den meisten Fällen von den Fixern des jeweiligen Bezirks übermittelt werden. Wer davon mal genug hat, der darf seine hart verdienten Eddies zudem in den klassischen Läden rund um Kleidungsstücken, Waffen und Hilfsmitteln ausgeben. Oder aber auch bei den sogenannten Ripper-Docs, wo ihr euren Körper modifizieren lassen könnt. Das ist zwar ein sehr kostspieliges Unterfangen, bietet aber noch einmal eine breite Palette an Verbesserungen für euren Charakter, die euch das Leben maßgeblich erleichtern in der Welt von Night City. Aber wer sich erst einmal länger mit der Stadt beschäftigt, dem fällt schnell ins Auge, dass der Schein der unbegrenzten Möglichkeiten auch trügt.  

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Was man hier sieht, ist nur einer der sieben Bezirke von Night City.

Denn so belebt die Straßen auch sein mögen, fehlt es dem Ganzen an Substanz. Falls ihr nämlich auf der Suche nach gut gescripteten Nebenmissionen Marke The Witcher seid, dann müssen wir euch vorab enttäuschen. Diese sind nur begrenzt und werden euch lediglich von den wenigen, wichtigen Nebencharakteren telefonisch übermittelt. Der Rest, der auf der Karte zu finden ist, besteht zum Großteil daraus, irgendwelche Bandenmitglieder auszuschalten und Informationen zu bergen. Selbiges gilt auch für die Aufträge der Polizei, die ebenfalls nur in eine riesige Schießerei münden. Das Ganze bringt zwar gutes Geld und zahlreiche Ausrüstungsgegenstände mit sich, besonders viel Spieltiefe erzeugt man damit nicht. In diesem Punkt sei auch das in der Haupthandlung zur Anwendung kommende Braindance zu erwähnen, wo mittels Überwachunsvideos Tatorte nachgestellt werden können. Dieses Feature findet danach nur noch selten bis kaum Verwendung, wodurch man wieder viel Potenzial liegen lässt.

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Interessante Nebenmissionen sind rar gesät, …

Auch wenn die Nebenaktivitäten stark zu wünschen übrig lassen, so muss erwähnt werden, dass die Hauptgeschichte zweifellos fesselnd ausfällt. Die wenigen Personen, die darin eingeführt werden fügen sich perfekt in das Geschehen ein und sind auch in ihrer Art charakterlich überzeugend. Lobend erwähnt muss hier natürlich nicht nur euer treuer Begleiter Jackie Welles werden, sondern selbstverständlich auch Johnny Silverhand, der euch schlagfertig durch die Spielwelt begleitet. Dadurch fühlt sich die gefährliche Umgebung von Night City, die geprägt ist von Verrat, realistisch und immersiv an, weswegen man stets noch tiefer eintauchen will in die Geschichte der Protagonisten. Einziges Manko ist hier lediglich der Umfang, der je nach Wahl des Schwierigkeitsgrades zwischen 20 und 30 Stunden, vom Prolog bis zum Epilog, ausfällt. Hier muss noch erschwerend hinzugefügt werden, dass die Standard-Enden einen sehr bitteren und unbefriedigenden Beigeschmack hinterlassen haben. Nur wer fleißig die Nebenmissionen der Charaktere erledigt, die euch im Verlauf der Handlung begegnen, bekommt halbwegs zufriedenstellende Abschlüsse serviert.  

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… dafür sind es die ruhigen Momente, in denen sich die Charaktere entfalten können.

You’re not breathtaking

Wer den Release von Cyberpunk 2077 damals gespannt verfolgt hat, der wird schnell festgestellt haben, dass man technisch nicht auf allen Geräten ein sauberes Produkt abgeliefert hat. Ein Blick auf die ersten höchst positiven Kritiken offenbart, dass hier lediglich die PC-Version auf leistungsstarken Rechnern bewertet wurde. Davon konnten Konsolenspieler leider nicht sprechen, besonders jene auf Playstation 4 und Xbox One. Dort hat man nicht nur grafische Einbußen hinnehmen müssen, sondern auch welche in puncto Technik. Eine Vielzahl an Bugs und Glitches pflasterten seit Veröffentlichung den Weg  zahlreicher Vs, schwer zu Lasten des Spielerlebnisses. Auch wenn selbiges auf der Playstation 5 und Xbox Series nicht so schwer ins Gewicht fällt, so wardies trotzdem kein Grund, über derartige grafische und technische Unsauberkeiten hinweg zu sehen. Erst mit dem Patch 1.04 konnte man dort vorwiegend fehlerfrei spielen.  

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Solche glanzvollen Bilder bieten sich euch nicht auf allen Systemen.

Dennoch gilt es auch die positiven Aspekte hervorzuheben, allen voran die musikalische Begleitung in Cyberpunk 2077. Die englische sowie deutsche Synchronisation sind hervorragend gelungen und auch der Score, der euch durch das Spiel begleitet, weiß zu überzeugen. Der Soundtrack lässt besonders im Bezug auf Johnny Silverhand seine Muskeln ordentlich spielen und auch die Autofahrten werden durch die große Auswahl an Radiosendern zu einem Highlight. Selbst dann, wenn euch die schreckliche Fahrzeugsteuerung, sei es im Auto oder auf dem Motorrad, einen Strich durch die Rechnung macht. Grundsätzlich weiß jede Seitengasse in der Innenstadt, ja selbst die Haufen von Müll außerhalb der Stadt stilistisch zu überzeugen. Die Bezirke und deren Gangs, die Menschen, ihre Autos, das alles macht Cyberpunk 2077 aus. Zusammengefasst: Style over Substance.

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Was Herr Oshima wohl über Cyberpunk zu sagen hat?

Wertung

Cyberpunk 2077 ist ohne Frage ein sehr gutes Spiel, das am Ende des Tages nur an einem Punkt scheitert: Seinem Hype nicht gerecht werden zu können. Dieser Umstand spiegelt sich besonders im technischen Zustand wieder, wo Spielfehler von System zu System unterschiedlich schwer ins Gewicht fallen. Da tröstet auch eine packende Handlung nicht darüber hinweg, dass der Ausflug nach Night City mehr Schein als Sein ist.

Sehr große Spielwelt, aufgeteilt in sieben Bezirke
Packende Hauptstory die zwischen 20 und 30 Stunden fesselt, inklusive multiplen Enden
Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto intensiver das Spielerlebnis
Hervorragende Synchronisation, Soundtrack und Score
Unzählige Nebenaktivitäten…

… die sich spielerisch aber kaum Unterscheiden
Haupthandlung fühlt sich zu kurz an und die Standard-Enden sehr unbefriedigend
Verschenktes Potenzial in puncto Spielwelt und Immersion aufgrund falscher Versprechen
Interessante Nebencharaktere lassen sich an zwei Händen abzählen

Cyberpunk 2077 ist am 10.Dezember 2020 für Google Stadia, PC, Playstation 4, Playstation 5, Xbox One und Xbox Series erschienen.

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